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2008

Von Gerd Wameling 2008 gewählt
für die Rolle des Bruno Mechelke in „Die Ratten “ in einer Inszenierung von Michael Thalheimer am Deutschen Theater in Berlin.

Biografisches
Niklas Kohrt wurde 1980 in Luckenwalde geboren. Zunächst studierte er zwei Jahre Kultur-, Politik- und Theaterwissenschaft, bevor er 2002 ein Studium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin aufnahm. Nach seinem Diplom 2006 führte ihn sein erstes Engagement an das Deutsche Theater Berlin, wo er seit der Spielzeit 2005/2006 festes Ensemblemitglied ist. Hier arbeitete er mit Regisseuren wie Jürgen Gosch in »Auf der Greifswalder Straße« und »Ein Sommernachtstraum«, Robert Schuster in »Tartuffe«, Dušan David Parizek in »Die Verwirrungen des Zöglings Törless« und Michael Thalheimer in »Schlaf« zusammen. Seit der Spielzeit 2007/08 ist er in Thalheimers Inszenierung von »Die Ratten« zu sehen.
Im Kino spielte Niklas Kohrt in Detlev Bucks »Knallhart«, außerdem stand er bei Filmen wie »Mein ganz gewöhnliches Leben« von Dominik Bechtel und »Muxmäuschenstill« von Markus Mittermeier vor der Kamera.

Laudatio auf Niklas Kohrt, gehalten von Gerd Wameling am 18. Mai 2008 im Haus der Berliner Festspiele

Lieber Herr Sartorius, liebe Iris Laufenberg, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Theaterfreunde !

Als ich vor ein paar Monaten den ehrenvollen Auftrag erhielt, in diesem Jahr Juror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises zu werden, habe ich mich sehr gefreut. Zumal der Nachwuchs des Theaters durch meine Berufung zum Professor für Schauspiel an die UdK Berlin, mehr und mehr meine Arbeit und mein Leben bestimmt.

Mit etwas gemischten Gefühlen allerdings dachte ich an die vierzehn Tage im Mai wo es gilt, ein kompaktes Besuchsprogramm von zehn ausgepriesenen Theater-Produktionen zu absolvieren. Es ist nämlich auch anstrengend, fast jeden Abend, neben den anderen beruflichen Tätigkeiten, ins Theater zu gehen, und es ist auch nicht immer die reine Freude.

Es kam anders als ich es befürchtet habe. Es gab bei diesem Theatertreffen neben Enttäuschungen auch, und das ist entscheidend, Überraschungen, Entdeckungen, Beglückendes und magische Momente.

Auf der Suche nach dem magischen Moment!

Das sollte mein Motto werden, um einen jungen Schauspieler zu finden, der mir diesen Augenblick vielleicht schaffen kann.

Wenn ich „junger Schauspieler“ sage, und das schließt naturgemäß „junge Schauspielerinnen“ mit ein, ist es auch ausdrücklich so gemeint, weil der Alfred-Kerr-Darstellerpreis an einen Künstler gehen soll, der ganz am Anfang seines Weges steht, und dem dieser Preis als Zeichen Mut geben soll, die eingeschlagene Bahn weiter zu gehen, um eines Tages ein ganz Großer zu werden, der sich messen lassen kann an so wunderbaren Schauspielern wie: Brigitte Hobmeier, Constanze Becker, Friederike Kammer, Regine Zimmermann, Jens Harzer, Ulrich Matthes, Sven Lehmann, Joachim Meyerhoff, Susanne Wolff und Edgar Selge und die vielen Anderen mehr, die hier in den letzten zwei Wochen zu sehen waren, und die ihren Weg schon gefunden haben.

Die Frage, wie es mit dem Nachwuchs bestellt ist, kann man schnell beantworten: SEHR GUT ! Die jungen Menschen, die derzeit an den Schulen heranwachsen und Ausgebildet werden, und auch die, die an den Theatern engagiert sind und jetzt hier In machen vorzüglichen Aufführungen zu sehen waren, zeugen von großem Talent.

Zurück zum „magischen Moment“.

Ich habe in diesen Tagen einige magische Momente erlebt ! Und wenn auch die Großen auf diesem Festival mit beeindruckenden Leistungen hervorstachen, schaffte es ein junger Schauspieler aus dem Dunkel heraus mit seiner Präsenz zu funkeln und mich sofort in Bann zu ziehen. In wenigen Augenblicken entstand eine klar umrissene Figur.

Die Rede ist von der Rolle des Bruno Mechelke in Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ in der Regie von Michael Thalheimer. Die Rede ist von NIKLAS KOHRT !

Niklas Kohrt ist 28 Jahre alt, studierte zunächst Kulturpolitik und Theaterwissenschaften um dann 2002 ein Studium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin zu beginnen. Noch vor seinem Diplom wurde er 2005 an das Deutsche Theater Berlin engagiert, wo er seitdem festes Ensemblemitglied ist. Hier sah man ihn unter Anderem als Lysander in Shakespeares SOMMERNACHTSTRAUM in der Regie von Jürgen Gosch, als Damis in TARTUFFE in der Regie von Robert Schuster; und mit Michael Thalheimer erarbeitete er SCHLAF von Jon Fosse und eben DIE RATTEN
von Gerhart Hauptmannn.

Die Rolle des BRUNO MECHELKE ist nicht groß und doch gelingt es Niklas Kohrt in wenigen Szenen einen Charakter so zu zeichnen und in Facetten zu erspielen, dass man die Figur den ganzen Abend nicht mehr vergisst. Vor allem in der letzten Szene mit seiner Schwester Jette (Frau John), gespielt von Constanze Becker, gelingt es ihm, in einem Wechselbad von Komik und Grauen, dichte
atmosphärische Momente von Tragik zu schaffen. Obwohl seine Figur brutal, bedrohlich und abstoßend wirkt, ist sie berührend. Das Blut unter der Nase sieht aus wie die klaffende Wunde eines waidwunden Tieres. Man sieht hinein in die Abgründe eines Menschen mit seinem Schicksal, seinem Leid und seinem Schmerz. Er zeigt einen tief verstörten, zerstörten Menschen, in dem es brodelt, und der vor dem eigenen Abgrund erschrickt.

Niklas Kohrt spielt mit dem Mut zum Risiko eine sozial schwache Figur aus dem Berliner Milieu am Rande der Gesellschaft. Und diese soziale und persönliche Grundkonstellation führt dann auch zur Katastrophe, zum fast zufälligen Mord an Pauline Piperkarcka.

Die Mitteilung, dass er Pauline umgebracht hat, fällt aus ihm heraus wie ein schwerer, unverdaubarer Brocken: „Heute morjen halb viere hätt‘ se det Jlockenläuten noch heeren jekonnt“.

Ich war auf der Suche nach einem jungen Schauspieler, der tatsächlich eine Figur erspielt, und nicht gezwungen ist, nur plakative Sprachakrobatik zu vollführen.

Wenn Einer wie der 28-jährige Niklas Kohrt eine Rolle so mit innerer Freiheit und überlegener Ruhe, die für diese Gestaltung notwendig ist, so ergreifend und berührend darstellen, besser gesagt SPIELEN kann, dann ragt er heraus, ist beeindruckend und bemerkenswert. Ein Schauspieler, der aus dem Dunkel leuchtet, einer, der zu großen Hoffnungen Anlass gibt: Ein würdiger Alfred-Kerr-Preisträger.

Herzlichen Glückwunsch NIKLAS KOHRT !
Gerd Wameling

 

Im August 2008 wählte THEATER HEUTE Niklas Kohrt zum Nachwuchsschauspieler des Jahres.