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Die Jurorin des Jahres 2002 hatte ihre Karriere einst dort
begonnen, wo die von ihr gewählte Preisträgerin Jahre
später ihre Kunst erlernte: Elisabeth Trissenaar, am 13.
April 1944 in Wien geboren, spielte nach dem Studium am Max-Reinhardt-Institut
1964 im Ensemble des Stadttheaters Bern erste große Rollen
wie das Gretchen in Goethes Faust und die Thekla in
Schillers Wallenstein, ehe sie mit ihrem Lebens- und
Arbeitspartner Hans Neuenfels nach Deutschland kam. Krefeld, Heidelberg,
Bochum und Stuttgart hießen die ersten Stationen ihrer langen
gemeinsamen Reise, an denen sich die Darstellerin u.a. Figuren
wie Strindbergs Fräulein Julie und die Wanja aus Tschechows
Kirschgarten zu eigen machte.
Bereits in jenen Jahren von Kritikern wie Friedrich Luft als große
Tragödin gefeiert, prägte Elisabeth Trissenaar
von 1972 bis 1978 auch die Neuenfels-Ära im Schauspiel Frankfurt,
wo sie u. a. als Hedda Gabler und Medea Triumphe feierte.
In diese Jahre fällt auch der Beginn ihrer Zusammenarbeit
mit Rainer Werner Fassbinder, der sie in seinen Filmen Bolwieser,
Die Ehe der Maria Braun, In einem Jahr mit 13
Monden und in der Verfilmung von Alfred Döblins Berlin
Alexanderplatz besetzte. Mit diesen Klassikern unter den
bundesdeutschen Kino- und Fernsehfilmen empfahl sie sich zugleich
für spätere Hauptrollen in Robert van Ackerens Das
andere Lächeln und Die Reinheit des Herzens
sowie in dem oscar-nominierten Film Bittere Ernte
und in Xaver Schwarzenbergers Franza.
Obwohl Elisabeth Trissenaar auch auf der Bühne zunehmend
mit anderen prominenten Regisseuren wie Jürgen Flimm
(Das Käthchen von Heilbronn, Schauspielhaus Zürich),
Peter Palitzsch (Liebe und Magie in Mammas Küche,
Freie Volksbühne Berlin) oder Ruth Berghaus (Die Braut
von Messina, ebd.) zusammenarbeitete, blieb sie ästhetisch
und biografisch doch in den Inszenierungen von Hans Neuenfels
verwurzelt. Mit ihm erschloss sie sich nicht nur ein umfangreiches
Material von Goethes Iphigenie auf Tauris bis zu Musils
Die Schwärmer, von Genets Die Zofen
bis zu Kleists Penthesilea. Die zuletzt genannte Rolle
bildete zudem den Anlass für den Film Heinrich Penthesilea
von Kleist, der seine Uraufführung auf der Berlinale
1983 feierte.
Nachdem die als Gemütserregungskünstlerin
gefeierte Elisabeth Trissenaar im Jahr 2000 bereits mit zwei
Anwärtern auf den Alfred-Kerr-Darstellerpreis gearbeitet
hatte, als sie mit August Diehl und Fritzi Haberlandt in der Verfilmung
von Ingrid Nolls Roman Kalt ist der Abendhauch spielte,
amtierte sie genau zwischen diesen beiden Gewinnern der Jahre
2001 und 2003 als Jurorin. Ihre Wahl fiel auf Bettina Stucky,
die sie für ihre Zürcher Rollen als Natalja in Tschechows
Drei Schwestern
(Regie: Stefan Pucher) und in Die schöne Müllerin"
(Regie: Christoph Marthaler) auswählte.
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