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Der Alfred-Kerr-Juror für das Theatertreffen des Jahres
2005 steht nicht nur für die konsequente Verjüngung
dieses Ehrenamtes, Ulrich Matthes übernahm die verantwortungsvolle
Aufgabe zudem in einem Augenblick höchster öffentlicher
Aufmerksamkeit und Anerkennung. Für die Rolle des George
in Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf,
mit der er in Jürgen Goschs Berliner DT-Inszenierung selbst
beim Theatertreffen zu erleben war, ist der 45-Jährige jüngst
mit dem renommierten Gertrud-Eysoldt-Ring geehrt worden. Und parallel
zu diesem Bühnen-Erfolg sorgte Matthes auch in Kinofilmen
von Oliver Hirschbiegel und Volker Schlöndorff für Furore:
Nachdem er im Bunker-Epos Der Untergang die beängstigende
Figur des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels verkörpert
hatte, setzte er in der Rolle eines im Konzentrationslager Dachau
eingekerkerten Geistlichen in Der neunte Tag einen
berührenden Kontrapunkt.
2005, im Jahr seiner Tätigkeit als Juror für den Alfred-Kerr-Preis,
wurde Ulrich Matthes in der Kritiker-Umfrage der Zeitschrift Theater
heute zum Schauspieler des Jahres gewählt. Zur Schauspielerin
des Jahres wählten die Kritiker Wiebke Puls,
der Ulrich Matthes den Alfred-Kerr-Preis zugesprochen hatte.
Diese Summe des Erfolgs ist der vorläufige Höhepunkt
einer Laufbahn, die der Sohn eines langjährigen Tagesspiegel-Chefredakteurs
nach Studienanfängen in Germanistik und Anglistik eingeschlagen
hatte. Bereits sein Debüt in Kohouts Armer Mörder
am Renaissance-Theater meisterte Ulrich Matthes an der Seite von
Maximilian Schell, nach zwei Jahren in Krefeld/Mönchengladbach
wechselte er 1985 an das Düsseldorfer Schauspielhaus. Hier
spielte er unter der Intendanz von Günther Beelitz in nur
zwölf Monaten vier Hauptrollen, wobei besonders die Titelpartien
in Tankred Dorsts Heinrich oder Die Schmerzen der Phantasie
sowie in Joshua Sobols Weiningers Nacht für Furore
sorgten. Kurz nach seinem Wechsel an das Bayerische Staatsschauspiel
wurde Matthes mit gerade 31 Jahren erstmals zum
Schauspieler des Jahres gekürt, wenig später
fand er in den Münchner Kammerspielen eine neue künstlerische
Heimat und feierte als Peter Handkes Kaspar erneut
Triumphe. 1992 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, um
an der Schaubühne große Rollen in Gorkis Nachtasyl,
in Tschechows Die Möwe sowie im Orestes
des Euripides zu übernehmen.
Parallel zu dieser Theater-Karriere ging Ulrich Matthes,
an dem Kritiker die Versinnlichung des Denkens loben,
auch mit Lesungen etwa aus Thomas Bernhards Wittgensteins
Neffe auf Tournee und spielte in Filmen wie dem TV-Mehrteiler
Nikolaikirche nach dem Roman von Erich Loest und in
Tom Tykwers Kino-Melodram Winterschläfer. Für
die Rolle des Sinclair in Nina Grosses Hölderlin-Porträt
Feuerreiter wurde er mit dem Bayerischen Filmpreis
geehrt, im Fernsehen war er hernach unter anderem in den zeitgeschichtlichen
Filmen Abgehauen und Todesspiel zu sehen.
Dass sich Ulrich Matthes auch dem Schauspieler-Nachwuchs verpflichtet
fühlt, zeigte er nach seinem Darmstädter
Regie-Debüt mit Groß und Klein im
Jahr 2003, als er mit Studenten der Berliner Schauspielschule
Ernst Busch das Wedekind-Stück Frühlings
Erwachen inszenierte. Ein feinnerviger, charakterstarker
und wandlungsfähiger Künstler, der die extremen Mühen
wie den schönen Lohn seines Berufs aus eigenem Erleben kennt
beste Voraussetzungen für einen Juror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises.
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