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Als Ulrich Mühe im Jahr 2004 das Berliner Theatertreffen
beobachtete, um einen Preisträger für den Alfred-Kerr-Darstellerpreis
auszuwählen, war ihm der Schauplatz bestens vertraut: Wenige
Monate zuvor hatte er im Haus der Berliner Festspiele mit prominenter
Besetzung Heiner Müllers Der Auftrag inszeniert
und damit ein Versprechen eingelöst, das er dem Dramatiker
kurz vor dessen Tod gegeben hatte.
Mühes eigentliche Profession freilich ist die des
Schauspielers, die der am 20. Juni 1953 im sächsischen Grimma
geborene Künstler von 1975 bis 1979 an der Leipziger Hochschule
Hans Otto erlernte. Bereits während des Studiums
für kleinere Rollen am Städtischen Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt
verpflichtet, fand er dort sein erstes Engagement und wurde 1982
von Heiner Müller für dessen Macbeth-Inszenierung
an die Volksbühne geholt. Damit begann die steile Berliner
Karriere des Künstlers, die bis heute andauert und über
Rollen wie Osvald Alving in Ibsens Gespenster am Deutschen
Theater (Regie: Thomas Langhoff), Goethes Egmont,
Lessings Philotas oder Settiner in Heiner Müllers
Der Lohndrücker zu einem Fanal in der Wendezeit
führte: Im Doppelprojekt Hamlet/Hamletmaschine
wurde der Hauptdarsteller für jene intellektuelle Distanz
und emotionale Nähe gefeiert, die den Schauspieler Mühe
seit jeher auszeichnet.
Mit dem Fall der Mauer öffneten sich Mühe auch
die Bühnen der Salzburger Festspiele (Alfonso in Grillparzers
Jüdin von Toledo, Regie Thomas Langhoff) und
des Wiener Burgtheaters (Goethes Clavigo, Ibsens Peer
Gynt, Regie Claus Peymann) sowie die Film- und Fernsehstudios
der wieder vereinten Republik. Nachdem er bereits zu DDR-Zeiten
die Hauptrolle in Bernhard Wickis Das Spinnennetz
gespielt hatte, übernahm er in Helmut Dietls Satire Schtonk
die Rolle des Verlegers.
In Bennys Video sah man ihn an der Seite von Angela
Winkler, in Funny Games spielte er gemeinsam mit Susanne
Lothar und in Peanuts Die Bank zahlt alles
arbeitete er unter der Regie von Carlo Rola. Mit der Rolle eines
Gerichtsmediziners in der Fernsehserie
Der letzte Zeuge wurde ihm zudem eine Figur auf den
Leib geschrieben, die er sich gemeinsam mit seinem langjährigen
Berliner Kollegen Jörg Gudzuhn zu eigen machte.
Auf der Suche nach einem würdigen Gewinner des Alfred-Kerr-Darstellerpreises
wurde Ulrich Mühe in Jürgen Goschs Inszenierung der
Sommergäste am Düsseldorfer Schauspielhaus
fündig: Der junge Darsteller Devid Striesow, der wie der
Juror selbst eine parallele Karriere am Theater sowie im Film
verfolgt, überzeugte ihn in der Rolle des Wlas durch seine
Vielseitigkeit: Aus sich heraus in die Welt. Ganz einfach,
einfach wahr.
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