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Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis für "die herausragende Leistung eines/r Nachwuchsschauspielers/in"
beim Berliner Theatertreffen wird in diesem Jahr von Nina Hoss vergeben.
Die Preisverleihung findet am Sonntag, den 20. Mai 2012, im Haus der Berliner Festspiele statt.
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Die Besten unter den Guten"
Der Preis
Geschichte und Geschichten bestimmen die Stiftung eines Preises,
der seine Wurzeln tief im vergangenen Jahrhundert hat und heute,
in der Gegenwart, weit in die Zukunft weist. Am 7. Oktober 1990
machte Judith Kerr, die Tochter des legendären Theaterkritikers
Alfred Kerr, ihre Kindheit in Berlin zum Thema einer Rede in der
Reihe Berliner Lektionen. Es war ein anrührender
Sonntagvormittag. Judith erzählte bescheiden von sich und
ihrem zwei Jahre älteren Bruder Michael, von Mutter Julia
und Vater Alfred. Und sie berichtete, wie sich die Familie am
15. Februar 1933 durch Flucht nach Zürich vor den Nazis rettete.
Dass im Anschluss an diese Rede die Idee geboren wurde, als Hommage
für Alfred Kerr einen Preis für junge Schauspieler zu
stiften, ist Zeugnis ungewöhnlicher Großherzigkeit.
Jahrzehnte hat der Meister der Kritik das Theaterleben in Berlin
mit einzigartigem schöpferischem Elan begleitet, bestimmt,
ja mitgeschaffen bis ihn die Nazis zur Emigration zwangen.
Trotz dieser bösen Erfahrungen mit Deutschland und den Deutschen
war der Besuch der Kinder Judith und Michael Kerr im neuen Berlin
nach dem Ende der Nazi-Barbarei nicht von Hass geprägt. Ganz
im Gegenteil. Sie wollten Alfred Kerr wieder heimisch machen in
der Stadt, bewahren und zurückbringen, was er die für
die geistige, die künstlerische Ausstrahlungskraft der Stadt
geleistet hatte. Damit stehen Judith und Michael Kerr nicht allein.
Heinz Berggruen schenkte Berlin seine einzigartige Gemäldesammlung,
Helmut Newton hat verfügt, dass seine bewunderten Fotografien
in der deutschen Hauptstadt ihre endgültige Heimat finden.
Diese großen Persönlichkeiten, einst aus Deutschland
vertrieben, geben damit der Hoffnung Ausdruck, dass Berlin zu
einem wirklichen Mittelpunkt des kulturellen Geschehens in der
Welt werden kann. Sie haben Vertrauen, und das bedeutet eine hohe
Verpflichtung für die Beschenkten. Zurück zum Alfred-Kerr-Preis.
Seine Finanzierung er ist mit 5.000 € dotiert
erfolgte aus den Tantiemen der von Günther Rühle
betreuten, vorbildlich kommentierten Edition der Briefe und Theaterkritiken
von Alfred Kerr. Engagierte Partner waren von 1991 bis 1994 der
Intendant der Berliner Festspiele Ulrich Eckhardt sowie Lothar
C. Poll und die Pressestiftung Tagesspiegel. Nach mehrjähriger
Pause, bedingt durch Eigentümer- und Verlagswechsel, gelang
es, den Preis durch die Gründung der Alfred-Kerr-Stiftung
unter Vorsitz von Torsten Maß wieder zu beleben. Das aber
war nur möglich durch die beispielhafte Großzügigkeit
von Judith Kerr, die seitdem gemeinsam mit ihrem Bruder Michael
für die materielle Seite des Preises Sorge trägt. Wie
Alfred Kerr, der mit sicherem Gespür Begabungen entdeckte,
ist es nun an den jeweils für ein Jahr eingesetzten Juroren,
junge Schauspieler und Schauspielerinnen aus dem Ensemble der
zum Theatertreffen nach Berlin eingeladenen Aufführungen
zu finden, die eine Hoffnung für das Theater sind. In schöner
Weise ist Alfred Kerr damit wieder mitten ins Theaterleben der
deutschsprachigen Bühnen zurückgekehrt.
Die Juroren
Dem Namensgeber des Preises, Alfred Kerr, fühlen sich die
jeweils für ein Jahr berufenen Juroren eng verbunden. Wenn
man die von ihnen getroffenen Entscheidungen überdenkt, könnte man meinen, sie hätten
prophetische Gaben, verfügten über einen siebenten Sinn.
Dabei ist es viel unspektakulärer. Bernhard Minetti, Marianne
Hoppe, Albert Hetterle, Käthe Reichel, Angelica Domröse,
Udo Samel, Walter Schmidinger, Elisabeth Trissenaar, Ivan Nagel,
Ulrich Mühe, Ulrich Matthes, Martin Wuttke, Martina Gedeck, Gerd Wameling, Jutta Lampe, Bruno Ganz, Eva Mattes und Nina Hoss sind, wer
weiß es nicht, erfahrene, herausragende Künstler
und denen entgehen Talente nicht. Diese Juroren haben ihr Leben
dem Theater gewidmet, sie sind Beispiel und Ansporn für den
Nachwuchs, sie geben weiter, was ihnen die mit leidenschaftlichem
Einsatz errungenen Erfolge auf dem und für das Theater ermöglicht
hat. Und so gelang es ihnen, 16 junge Schauspielerinnen
und Schauspieler für den Alfred-Kerr-Preis zu finden, die
den frischen Ruhm des Anfangs in den Jahren nach der Auszeichnung
staunenswert und beglückend bestätigt und vermehrt haben.
Nicht nur auf der Theaterbühne, sondern auch in Film und
Fernsehen und als einfühlsame Interpreten auf vielen Gebieten,
ja auch als Schreibende gingen und gehen sie ihren Weg. So stehen
die Preisträger als Beste der Guten vieler Berliner Theatertreffen
für eine Generation, die sich schöpferische Unruhe bewahrt
hat.
Mit Gewohntem oder gar Durchschnittlichem, mit einem lauen Angebot
geben sich die Ausgezeichneten nicht zufrieden.
Sie gehören zu den Stützen ihrer Ensembles, und lehnen
sich zugleich gegen die Zwänge des Kunstbetriebs auf. Sie
sind auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, überraschen
durch kühne Entdeckungen. Sie halten das Theater lebendig,
machen es provokativ und liebenswert. Mit ihnen auf Entdeckungsreise
zu gehen, ist spannend, und oft ein Abenteuer.
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