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Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis 2016


Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis geht in diesem Jahr an Marcel Kohler.

Er erhält den Preis für seine Rolle des Studenten „Arkadij Nikolajitsch Kirsanow“ in Daniela Löffners Inszenierung „Väter und Söhne“ (Brian Friel nach Iwan Turgenjew).
Die Preisverleihung fand am 22. Mai im Haus der Berliner Festspiele statt.



Marcel Kohler wurde 1991 in Mainz geboren.
Er absolvierte seine Schauspielausbildung von 2011 bis 2014 an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und ist seit Februar 2015 Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin.

Er ist Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes.

2012 gewinnt er für sein Stück „Costa“ den internationalen Wettbewerb für neue Theatertexte „Lingue in Scena“ des Goethe-Instituts und der Buchmesse Turin, wurde 2013 mit dem Best Acting Prize beim 3. Internationalen Festival der Schauspielschulen in Peking ausgezeichnet und erhielt 2014 den O.E. Hasse-Preis.



Aus der Laudatio:

...Marcel Kohler ist kein Blender, er ist einfach da, er stellt sich zur Verfügung. Sein Spiel ist gänzlich unkorrupt und dadurch: jung. Es freut mich zu sehen, wie zugewandt dieses Spiel ist und wie wichtig und wertvoll Kohler ganz offensichtlich seine Spielpartner sind.

Es gibt in der Aufführung ein Lied, das Arkadij und Katja singen, es beschreibt in seiner Energie und Unabhängigkeit aufs schönste das Wesen der Liebe. In der darauffolgenden Szene unterhalten sich die beiden. Katja fragt: Soll ich Ihnen mal ehrlich sagen, was ich glaube? Arkadij: Was denn? Katja: Sie sind noch sehr unreif. Aber das gibt sich mit der Zeit.

Ich sehe den beiden zu, und denke: hoffentlich noch nicht so bald.



Jurorin des traditionsreichen Preises war in diesem Jahr die Schauspielerin Maren Eggert.



Die Schauspielerin Maren Eggert wurde 1974 in Hamburg geboren. Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie von 1994 bis 1998 an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München.

Nach einem Gastengagement in Zürich war sie von 1998 bis 2000 im Ensemble von Leander Haußmann am Schauspielhaus Bochum. Dort entdeckte sie Ulrich Khoun und holte sie mit Beginn seiner Intendanz in Hamburg an das Thalia Theater, wo sie von 2000 bis 2009 zum Ensemble gehörte.

Während ihres Engagements in Hamburg erhielt sie nicht nur den Boy-Gobert-Preis der Körber-Stiftung (2002), sondern auch den ebenfalls nach einem berühmten Kollegen benannten Ulrich-Wildgruber-Preis (2007) und den Rolf-Mares-Preis (2007). Mit Ulrich Khuon wechselte Maren Eggert 2009 an das Deutsche Theater nach Berlin.

Neben ihrer reichen Theaterarbeitet ist sie immer wieder in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Für ihre Darstellung in „Die Frau am Ende der Strasse“ wurde Maren Eggert gemeinsam mit Matthias Brandt 2008 mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet. Ihre Stimme lieh sie zudem verschiedenen Hörbuchproduktionen.

Maren Eggert ist deutsche Botschafterin der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“.




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Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis 2015


Der Preis ging 2015 an Gala Othero Winter für ihre Rolle der „Frida Foldal“ in Karin Henkels Inszenierung „John Gabriel Borkman“.



Aus der Laudatio:

...Ich wurde einige Male von Inszenierungen, Texten und Schauspielern überrumpelt, die mir mit aller Kraft, Können und Dringlichkeit zeigen wollten, was ich unbedingt zu denken und zu fühlen habe. Es war laut, groß, viel und sehr effektvoll. Ich wurde oft verführt und glaubte, ich hätte meine/n Preisträger/in gefunden Bis ich Gala Othero Winter sah, als Tochter Frida in Karin Henkels Inszenierung von Ibsens „John Gabriel Borkman“. Laut Autor: ein 15-jähriges Mädchen. Auf der Bühne stand ein zartes und zerbrechliches, aber doch selbstbewusstes Wesen, noch desorientiert und deshalb voller Sehnsüchte.

Gala Othero Winter konnte mir etwas erzählen, über einen Menschen und eine Situation. Und dazu brauchte sie nicht viel. Ihr hilflos-aufdringlicher Blick, die kaputten sparsamen Bewegungen, die Stimme bei ihrem unglaublich schönen brüchigen Gesang am Ende der Aufführung. Sie zeichnete ihre Figur mit ein paar Strichen und überließ sie mir, dem Zuschauer.

Die Transparenz, mit der sie das machte, öffnete mir Räume, sie schüttete mich nicht zu mit Behauptungen, sondern gab mir die Freiheit, zu denken und zu empfinden. Was für eine Persönlichkeit! Und das mit 24 Jahren.

Vielen Dank, Gala Othero Winter.



Juror des Preises 2015 war der Schauspieler Samuel Finzi.



Samuel Finzi wurde 1966 in Plowdiw (Bulgarien) als Sohn der Pianistin Gina Tabakova und des Schauspielers Itzhak Finzi geboren. Bereits während seines Studiums an der Staatlichen Theater- und Film-Akademie in Sofia spielte er erste Theater- und Kinorollen und arbeitete im Laufe seiner Karriere mit Regisseuren zusammen, die das europäische Theater und den Film wesentlich prägten: Benno Besson, Jürgen Gosch, Werner Schröter, Robert Wilson, Frank Castorf, Johan Simons, Michael Thalheimer und Dimiter Gotscheff.

Für seine vielgestaltigen, geistreichen Darstellungen wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Förderpreis für darstellende Kunst der Landeshauptstadt Düsseldorf.
Im März 2015 erhielt er, gemeinsam mit Wolfram Koch, für „Warten auf Godot“ den Gertrud-Eysoldt-Ring.

Samuel Finzi ist der erste Schauspieler, der gleichzeitig Juror des Alfred-Kerr-Darstellerpreis und Teilnehmer am Theatertreffen ist.




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20 Jahre Alfred-Kerr-Darstellerpreis

Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis wird 20. Zum Jubiläum haben uns frühere Preisträger Videogrüße geschickt und die Filmemacherin Hanna Slak hat daraus eine kleine Hommage gemacht.
Mit freundlicher Unterstützung durch den Tagesspiegel und die Schering Stiftung.

Tagesspiegel      Schering Stiftung






„Die Besten unter den Guten"

Der Preis

Geschichte und Geschichten bestimmen die Stiftung eines Preises, der seine Wurzeln tief im vergangenen Jahrhundert hat und heute, in der Gegenwart, weit in die Zukunft weist. Am 7. Oktober 1990 machte Judith Kerr, die Tochter des legendären Theaterkritikers Alfred Kerr, ihre Kindheit in Berlin zum Thema einer Rede in der Reihe „Berliner Lektionen“. Es war ein anrührender Sonntagvormittag. Judith erzählte bescheiden von sich und ihrem zwei Jahre älteren Bruder Michael, von Mutter Julia und Vater Alfred. Und sie berichtete, wie sich die Familie am 15. Februar 1933 durch Flucht nach Zürich vor den Nazis rettete.

Dass im Anschluss an diese Rede die Idee geboren wurde, als Hommage für Alfred Kerr einen Preis für junge Schauspieler zu stiften, ist Zeugnis ungewöhnlicher Großherzigkeit. Jahrzehnte hat der Meister der Kritik das Theaterleben in Berlin mit einzigartigem schöpferischem Elan begleitet, bestimmt, ja mitgeschaffen – bis ihn die Nazis zur Emigration zwangen.
Trotz dieser bösen Erfahrungen mit Deutschland und den Deutschen war der Besuch der Kinder Judith und Michael Kerr im neuen Berlin nach dem Ende der Nazi-Barbarei nicht von Hass geprägt. Ganz im Gegenteil. Sie wollten Alfred Kerr wieder heimisch machen in der Stadt, bewahren und zurückbringen, was er die für die geistige, die künstlerische Ausstrahlungskraft der Stadt geleistet hatte.

Damit stehen Judith und Michael Kerr nicht allein. Heinz Berggruen schenkte Berlin seine einzigartige Gemäldesammlung, Helmut Newton hat verfügt, dass seine bewunderten Fotografien in der deutschen Hauptstadt ihre endgültige Heimat finden. Diese großen Persönlichkeiten, einst aus Deutschland vertrieben, geben damit der Hoffnung Ausdruck, dass Berlin zu einem wirklichen Mittelpunkt des kulturellen Geschehens in der Welt werden kann. Sie haben Vertrauen, und das bedeutet eine hohe Verpflichtung für die Beschenkten. Zurück zum Alfred-Kerr-Preis.

Die Finanzierung

Die Finanzierung des Preises – er ist mit 5.000 € dotiert – erfolgte aus den Tantiemen der von Günther Rühle betreuten, vorbildlich kommentierten Edition der Briefe und Theaterkritiken von Alfred Kerr. Engagierte Partner waren von 1991 bis 1994 der Intendant der Berliner Festspiele Ulrich Eckhardt sowie Lothar C. Poll und die Pressestiftung Tagesspiegel. Nach mehrjähriger Pause, bedingt durch Eigentümer- und Verlagswechsel, gelang es, den Preis durch die Gründung der Alfred-Kerr-Stiftung unter Vorsitz von Torsten Maß wieder zu beleben.

Das aber war nur möglich durch die beispielhafte Großzügigkeit von Judith Kerr, die seitdem gemeinsam mit ihrem Bruder Michael für die materielle Seite des Preises Sorge trägt. Wie Alfred Kerr, der mit sicherem Gespür Begabungen entdeckte, ist es nun an den jeweils für ein Jahr eingesetzten Juroren, junge Schauspieler und Schauspielerinnen aus dem Ensemble der zum Theatertreffen nach Berlin eingeladenen Aufführungen zu finden, die eine Hoffnung für das Theater sind. In schöner Weise ist Alfred Kerr damit wieder mitten ins Theaterleben der deutschsprachigen Bühnen zurückgekehrt.

Die Juroren

Dem Namensgeber des Preises, Alfred Kerr, fühlen sich die jeweils für ein Jahr berufenen Juroren eng verbunden. Wenn man die von ihnen getroffenen Entscheidungen überdenkt, könnte man meinen, sie hätten prophetische Gaben, verfügten über einen siebenten Sinn. Dabei ist es viel unspektakulärer. Bernhard Minetti, Marianne Hoppe, Albert Hetterle, Käthe Reichel, Angelica Domröse, Udo Samel, Walter Schmidinger, Elisabeth Trissenaar, Ivan Nagel, Ulrich Mühe, Ulrich Matthes, Martin Wuttke, Martina Gedeck, Gerd Wameling, Jutta Lampe, Bruno Ganz, Eva Mattes, Nina Hoss, Thomas Thieme, Edith Clever und Maren Eggert sind, wer weiß es nicht, erfahrene, herausragende Künstler – und denen entgehen Talente nicht. Diese Juroren haben ihr Leben dem Theater gewidmet, sie sind Beispiel und Ansporn für den Nachwuchs, sie geben weiter, was ihnen die mit leidenschaftlichem Einsatz errungenen Erfolge auf dem und für das Theater ermöglicht hat.

Und so gelang es ihnen, 20 junge Schauspielerinnen und Schauspieler für den Alfred-Kerr-Preis zu finden, die den frischen Ruhm des Anfangs in den Jahren nach der Auszeichnung staunenswert und beglückend bestätigt und vermehrt haben. Nicht nur auf der Theaterbühne, sondern auch in Film und Fernsehen und als einfühlsame Interpreten auf vielen Gebieten, ja auch als Schreibende gingen und gehen sie ihren Weg. So stehen die Preisträger als Beste der Guten vieler Berliner Theatertreffen für eine Generation, die sich schöpferische Unruhe bewahrt hat.

Mit Gewohntem oder gar Durchschnittlichem, mit einem lauen Angebot geben sich die Ausgezeichneten nicht zufrieden.
Sie gehören zu den Stützen ihrer Ensembles, und lehnen sich zugleich gegen die Zwänge des Kunstbetriebs auf. Sie sind auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, überraschen durch kühne Entdeckungen. Sie halten das Theater lebendig, machen es provokativ und liebenswert. Mit ihnen auf Entdeckungsreise zu gehen, ist spannend, und oft ein Abenteuer.